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  Fritz Geller-Grimm

 
Zoologie

Die Kaplöwen (Panthera leo melanochaita) im Museum Wiesbaden

Ein Artikel aus den "Jahrbüchern des Nassauischen Vereins für Naturkunde" 1966, Band 98, S. 132-138


ÜBER DEN KAPLÖWEN
IM STÄDTISCHEN MUSEUM ZU WIESBADEN

von Prof. Dr. LUTZ HECK, Wiesbaden
(1966)
mit 3 Abbildungen
Abb. 1. Der Kaplöwe im Museum Wiesbaden
Abb. 1. Der Kaplöwe im Museum Wiesbaden

Es sind jetzt etwas über hundert Jahre her, daß die Naturwissenschaftliche Sammlung des Städtischen Museums in Wiesbaden um zwei wervolle Stücke bereichert wurde; denn es gelang damals, ein Paar Kaplöwen zu erwerben. Die Bucheintragung des zuerst erworbenen männlichen lautet unter der laufenden Nummer 358: Unica leo L. capensis Fitz, ded. Curhaus Administration 1864.
   Zu diesem Ankauf heißt es in dem Jahresbericht, erstattet an die Generalversammlung am 18. Dezember 1864 von Prof. Dr. L. C. L. Kirschbaum Secretär des Nassauischen Vereins für Naturkunde, Professor am Gelehrtengymnasium und Inspector des Naturhistorischen Museums zu Wiesbaden, auf Seite 528 des Jahrbuchs des selben Vereins 1864/1866: "Eine weitere höchst dankenswerte Bereicherung unseres Museums wurde uns durch die Bewilligung von 250 fl. zur Anschaffung eines männlichen Löwen von seiten der Administration der Curetablissements zu Theil. Es verpflichtet uns dieses Geschenk umso mehr zu aufrichtigem Dank, als es ein seit lange von uns aufrichtig gehegter Wunsch war, durch dieses uns noch fehlende Tier unsere Zoologische Sammlung bereichert zu sehen, welcher das große prachtvolle Exemplar vom Cap zur besonderen Zierde gereichen wird".
   Auf Seite 544 des Jahrbuchs 1864-66 des Nassauischen Vereins für Naturkunde wird ferner berichtet: "Weiter wurden durch Ankauf erworben:
1.) Eine Anzahl Säugetiere und Vögel von Naturalienhändler Frank in Amsterdam, darunter Aegoceros niger Wahlb. (Pferde-Antilope), Equus Quagga Gm. und Felix Leo L. (weibl.) sowie Lepidosiren paradoxa Natt."
   Während die Löwin im Magazin des Museums aufbewahrt wurde, war der wohlpräparierte Mähnen-Löwe lange Jahrzehnte in seiner Glasvitrine ein vielbeachtetes Schaustück, aber es blieb völlig unbekannt, daß er zu den wenigen erhaltenen Überresten der südlichsten geographischen Löwenrasse gehörte. Erst in neuester Zeit, im Februar 1957, gab der Verfasser in einer Radiosendung den ersten Hinweis auf diese durch ihre Seltenheit kostbaren Sammeistücke.
   Beim Vermessen des männlichen Kaplöwen ergaben sich folgende Zahlen:

Gesamtlänge 2,76 m
Nasenspitze - After 1,94 m
Schulterhöhe 1,06 m

   Dabei ist zu bemerken, daß es sich um Stockmaß handelt, nicht um das Bandmaß an den Körper angelegt, das einige Centimeter mehr ergeben würde.

Länge der Mähnenhaare 0,20 m
Schwanzlänge 0,82 m
Länge der Schwanzquaste 0,07 m
mit Haaren 0,12 m
Schädel von Nasenspitze bis Hinterhaupt 0,40 m
Ohrlänge 0,10 m
Vordertatze lang 0,17 m
            breit 0,15 m
Hintertatze lang 0,13 m
            breit 0,15 m

   Diese Ausmaße des präparierten Exemplares, auch wenn sie vom ftischen abweichen, zeigen jedenfalls, daß es sich um einen sehr großen Löwen handelt.
   Äußerlich besitzt es die von den alten Jägern, Beobachtern und Wissenschaftlern geschilderten Merkmale des Kaplöwen. Seine Fellfarbe ist gelbbraun. Die Mähne ist schwarz, nach dem Kopf zu etwas heller, die schmale Bauchmähne ganz schwarz, ebenso die Schwanzquaste. Lange Ellenbogenbüschel sind vorhanden.
   Bisher lagen über den genauen Fundort dieses Exemplares keine Angaben vor. Irgendwo im Kapland mag vielleicht ein Farmer, Jäger oder Eingeborener, der keinen Wert auf das Fell als Trophäe legte, das er verkaufte, den Löwen geschossen oder gefangen haben. Es ist ja verständlich, daß Farmer oft einen richtigen Haß auf Löwen bekommen, wenn diese die Rinderherden dezimieren. Daher behalten sie kaum ein Erinnerungsstück an diese ihm großen Schaden zufügenden Raubkatzen. Daß der Museumslöwe in Wiesbaden ein echter Kaplöwe ist, ist nicht zu bezweifeln. Zwei hervorragende Löwenkenner haben ihn auf meine Anregung hin begutachtet. Der erste war im Jahre 1957 der bekannte afrikanische Naturschützer C. A. W. Guggisberg aus Nairobi, Kenia, der Verfasser von "Simba", des neuesten umfassenden Werkes über Biologie und Systematik des Löwen. Er diagnostizierte das Sammelstück als einen einwandfreien Kaplöwen. Herrn Guggisberg ist zu danken, daß noch zwei weitere Kaplöwen in Deutschland aufgefunden wurden. Im Museum in Stuttgart entdeckte er sie, und sein Bericht über diesen Fund lautet wie folgt (Buch Simba S. 47 und 48).:
   "Im November 1957 führte mich Prof. Dr. E. Schüz in freundlicher Weise durch das neu erstandene Stuttgarter Staatliche Museum für Naturkunde. Wir kamen dabei in eine Rumpelkammer, in der zahlreiche alte Stopfpräparate dicht gedrängt beisammenstanden. Als ich in dieser Versammlung einen Löwen und eine Löwin erspähte, kroch ich unter mehreren Antilopen- und Zebrabäuchen hindurch, um in dem schlechten Lichte die an die Standbretter gehefteten Etiketten lesen zu können. Und was stand darauf? Löwe, Kapland, v. Barth, 1854.
   Meine Zeit war beschränkt, und ich konnte nur rasch in mein Notizbuch kritzeln: Mähne lang, dunkel, mit gelbem Saum um das Gesicht. Schwarzbraune Ellenbogenbüschel. Ansatz zu einer Bauchmähne am hinteren Teil des Bauches. Bei der Löwin fielen schwache Ellenbogenbüschel, mähnenartig verlängerte Haare an Brust und Vorderhals sowie eine etwas verstärkte Behaarung des Bauches auf.
   Seither hat mir Dr. Kleinschmidt, der Säugetierkundler des Museums, in höchst zuvorkommender Weise eine kolorierte Zeichnung geschickt: Gesichtssaum und Stirnhaare sind ockergelb, der Rest der Mähne variiert von braun bis ganz dunkel meliert, mit braunschwarzen Haarschöpfen hinter den Ohren. Dr. Kleinschmidt weist in seinem Briefe darauf hin, daß das Präparat ziemlich stark ausgebleicht erscheine, die Mähne also in ihrem ursprünglichen Zustand wesentlich dunkler gewesen sein dürfte.
   Die beiden Löwen kamen an das Museum durch den Theologen Dr. Christian Gottlieb von Barth (1799-1862) aus Calw, der enge Beziehungen zu südafrikanischen Missionaren hatte."
   Später hatte ich in Wiesbaden den Besuch eines anderen Löwenkenners, des kenntnisreichen großen Säugetier-Systematikers Ludwig Zukowsky, des damaligen Direktors des Zoologischen Gartens zu Leipzig. Als wir den Wiesbadener Museumssaal betraten, bestätigte er überrascht und ohne zu zögern, daß wir hier einen Kaplöwen vor uns hatten. Genauere Untersuchungen verschafften ihm dann die Überzeugung, daß sein erster Eindruck durchaus richtig war.
   Nach den Regeln der wissenschaftlichen Systematik sind vom afrikanischen Löwen eine ganze Anzahl Unterarten bzw. geographische Rassen beschrieben und benannt worden. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich ursprünglich von Norden nach Süden über ganz Afrika mit Ausnahme des geschlossenen Urwaldes und der reinen Wüstengebiete, wo für diese großen Raubtiere nicht genügend Beute vorhanden ist. Entsprechend diesem weiten Vorkommen wurden zehn Unterformen aufgestellt. Die erste wissenschaftliche Namensgebung des Löwen findet sich bei Linné: leo leo Linné 1758. Später wurde dann der Artname umgewandelt in panthera, so daß nunmehr die Bezeichnungen der zehn Unterarten nach Th. Haltenorth und W. Trense "Das Großwild der Erde und seine Trophäen" sind wie folgt:

  1. Berber-Löwe Panthera leo leo (Linné, 1758). Verbreitung: Atlasländer (Marokko bis Tunis) bis Ägypten. Bestand: Ausgerottet (1920 in Marokko, 1891 in Algier und Tunis, in Ägypten schon vor der Zeitenwende).
  2. Senegal-Löwe Panthera leo senegalensis (Meyer 1826). Verbreitung: Westsudan (Senegal bis Nigeria). Bestand: In großen Teilen ausgerottet, sonst gesichert.
  3. Kamerun-Löwe Panthera leo kamptzi (Matschie, 1900). Verbreitung Nordkamerun und Gebiete südlich des Tschadsees. Bestand: Gesichert.
  4. Uganda-Löwe Panhtera leo nyanzae (Heller, 1913). Verbreitung Uganda. Bestand: Gesichert.
  5. Massai-Löwe Panthera leo massaicus (Neumann, 1900). Verbreitung: Abessinien, Kenia, Tanganjika bis Mozambique. Bestand: Gesichert.
  6. Kongo-Löwe Panthera leo anzandicus (AAllen, 1924). Verbreitung: Nordostkongo. Bestand: Gesichert.
  7. Katanga-Löwe Panthera leo bleyenberghi (Lönnberg, 1914). Verbreitung: Katanga (Südostkongo), Angola, Rhodesien. Bestand: In Rhodesien und Angola weitgehend ausgerottet, sonst gesichert.
  8. Kalahari-Löwe Panthera leo vernayi (Roberts, 1948). Verbreitung: Kalahari, Betschuanaland, Südwestafrika und Südangola. Bestand: Gesichert.
  9. Transvaal-Löwe Panthera leo krügeri (Roberts, 1929). Verbreitung: Transvaal, Orange. Bestand: Fast nur noch in Reservaten, dort gesichert.
  10. Kap-Löwe Panthera leo melanochaita (H. Smith, 1858). Verbreitung: Kapland bis Natal. Bestand: Ausgerottet (Kapland 1858, Natal 1865).

   Ob diese Namen als geographische Rassen im einzelnen berechtigt sind und einer genauen Prüfung standhalten, ist zu bezweifeln. Die Verschiedenheit der Löwen einer bestimmten Gegend ist nämlich stark ausgeprägt. So gibt es in demselben Rudel helle und dunkle, solche mit schwarzer und mit gelber Mähne, solche mit Flecken wie sie allgemein nur die Jungen haben und ganz einfarbige. Auch die Grundfarbe der Haartönung zeigt Unterschiede, mehr ins Gelbe und mehr ins Braune gehend. In einem von mir oft beobachteten Rudel von 22 Löwen - von zwei alten männlichen Löwen, sechs weiblichen und sonst Jungen - an der Wasserstelle Leobronn der Etoschapfanne waren die einzelnen erwachsenen durch ihre persönlichen Eigenheiten so von einander kenntlich, daß ich sie alle jahrelang leicht auseinanderhalten und mit Namen belegen konnte. Die Unterschiede waren in einzelnen Fällen so groß, daß ohne Wissen der Herkunft man leicht Unterarten danach aufgestellt hätte.
   Darauf hingewiesen sei, daß die Verbreitung des Löwen nach Asien über Persien nach Indien übergreift, wo der Löwe den Namen Panthera leo persica Meyer 1826 erhielt, der bis 1920 in Mesopotamien, 1930 in Persien vorkam und heutzutage noch mit einem Bestand von ungefähr 200 Tieren im vorderindischen Gire-Forest vorkommt. Diese Unterart des Löwen soll fast mähnenlos gewesen sein, wie das im Wiesbadener Museum aufgestellte männliche Exemplar zeigt.
   Erwähnt sei, daß der Löwe in geschichtlicher Zeit noch in Europa in Griechenland vorkam. Bekanntlich erwähnt Herodot, daß Löwen im persischen Heer unter Xerxes im Jahre 481 v. Chr. in Mazedonien Tragtiere rissen. Diese europäischen Löwen sind um das Jahr 200 v. Chr. ausgestorben, ihr Abbild aber wurde auf vielen Bildwerken, insbesondere zahlreichen antiken Münzen, in hochkünstlerischen Darstellungen erhalten.
   Um den Wert der Wiesbadener Kaplöwen klarzustellen, sei auf Geschichtliches hingewiesen!
   In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verschwand die Masse der freilebenden Großtierwelt in Südafrika, weil ihr Lebensbereich der immer weiter fortschreitenden menschlichen Besiedlung dienen mußte. Das Wild wurde überall rücksichtslos abgeschossen, wo den Haustieren Platz freigemacht werden sollte. Ganz besonders der Löwe, das größte Raubtier, das dem Menschen gefährlich werden konnte und als Beute Hausvieh riß, wurde mit allen Mitteln bis zur Ausrottung verfolgt und dabei in Südafrika kein einziges Exemplar der Präparation für würdig befunden. Erstaunlicherweise gibt es daher in den heutigen südafrikanisehen Museen, außer einem einzigen ausgegrabenen Schädel in Port Elisabeth, kein wissenschaftliches Material vom Kaplöwen, dem größten Raubtier des Landes und sogar des Erdteiles, das noch dazu als "König der Tiere" verehrt wird. Diese Tatsache wurde immer als größer Mangel einpfunden.
   Im Jahre 1950 schreibt E. M. Playne im "African Wild Life": "Wissenschaftler haben die Hoffnung nicht aufgegeben, daß das Fell, der Schädel oder vielleicht sogar das Gerippe eines Kaplöwen einmal ans Licht kommen. Es könnte sehr gut sein, daß auf lang bestehenden Farmen in der Kapprovinz Überreste eines Kaplöwen noch existieren, vielleicht vergessen in einem Vorratsraum oder sonstwo. Solche Stücke würden von größtem Interesse für die Wissenschaft sein und für alle, die sich für die wilden Tiere Südafrikas interessieren."
   Eine Zeitlang schien es wirklich so, als ob nirgendwo weder Schädel noch Fell noch andere Überreste vorhanden seien, um einen Begriff von der ausgestorbenen südlichsten geographischen Löwenrasse zu geben. Doch dann erfolgte überraschend im Jahre 1953 die Mitteilung, daß sich in London ein ausgestopfter Kaplöwe in einem Club befände. Der Bericht darüber von J. Steward Hamilton in der südafrikanischen Zeitschrift "African Wild Life" Band 7 Seite 341 lautet:
   "Es ist interessant zu erfahren, daß sich in einem militärischen Club in London in einer Glasvitrine das einzige vollständig erhaltene ausgestopfte Exemplar eines Kaplöwen befindet, das, so glaube ich, existiert. Von diesem Löwen steht fest, daß er im Jahr 1863 in der Nähe von Colesburg durch Captain (später General) Copland-Crawford von der Kgl. Artillerie geschossen wurde und von ihm selbst oder seiner Familie vor vielen Jahren dem Club überlassen wurde. Er ist für die damalige Zeit bemerkenswert gut ausgestopft und zeigt die verhältnismäßig kurze und breite Schnauze, wie man sie auch auf den Zeichnungen in den alten Büchern von Jägern und Naturforschern früherer Zeiten findet. Die dunkle und sehr dichte Mähne reicht weit über die Schultern, und das Tier besitzt am Bauch lange wehende Haarfransen. (Bauchmähne)."
   Über den Verbleib dieses Exemplares heißt es in der oben erwähnten Zeitschrift Band 9 Nr. 2 Juni 1954 Seite 96 unter der Überschrift:
    Notizen über das einzige bekannte Exemplar des ausgestorbenen Kaplöwen:
   "Dieses prächtige Exemplar eines Kaplöwen (Leo leo melanochatius H. Smith) ist nun im Britischen Museum in London untergebracht. Ursprünglich dem Junior United Services Club, London, von General Copland-Crawford vor über hundert Jahren überlassen, verblieb es dort (der breiteren Öffentlichkeit fast unbekannt) bis zum jetzigen Jahr 1957, in dem der Junior United Services vom United Services Club übernommen wurde. Der Löwe wurde dann dem Britischen Museum, Naturwissenschaftliche Abteilung, angeboten und von diesem übernommen."
   Das Auffinden dieses für einzig gehaltenen Kaplöwen wurde in Fachkreisen gebührend beachtet; denn, ausgezeichnet präpariert, gab er in neuerer Zeit einen ersten Begriff von der südlichsten geographischen Löwenrasse, die nach den neuen Regeln der Systematik den wissenschaftlichen Namen Panthera leo melanochaitus (Ch. H. Smith 1862) trägt.
   Es sei darauf hingewiesen, daß über das Vorkommen des Löwen in der Nähe von Kapstadt noch ein kleines, kaum bekanntes Bilddokument vorhanden ist, und zwar auf dem Titelblatt des Werkes von M. Peter Kolb über seinen Aufenthalt am Kap in den Jahren 1705 bis 1713: "Vollständige Beschreibung des afrikanischen Vorgebürges der guten Hofnung", bei Peter Conrad Monrath in Nürnberg 1719 erschienen. Der vor der Titelseite eingefügte Kupferstich zeigt in seinem oberen Drittel eine Abbildung von Kapstadt, die wohl eine der ältesten überhaupt sein dürfte. Deutlich sind die typischen Berge im Hintergrund der Siedlung dargestellt, der Tafelberg, flankiert vom Löwenberg und Signalberg, im Vordergrund der Hafen mit einigen Segelschiffen, und zwischen Meer und Berg die alte Festung mit ihren scharfkantigen Bollwerken (Abb. 2). Das für uns in diesem Fall interessanteste ist eine Szene einer Löwenjagd als kleine Randzeichnung auf der linken Seite dieses Blattes. Drei Eingeborene sind dabei, einen flüchtenden, wohl jüngeren Löwen einzukreisen und zu speeren (Von dieser Szene hat Herr Dr. Neubauer eine vergrößerte Unrißzeichnung angefertigt (Abb.3).

Abb. 2.
Abb. 2. Aus einem alten Kupferstich: Kapstadt mit der Meeresbucht;
im Hintergrund die 3 charakteristischen Berggestalten L÷wenberg, Tafelberg und Signalberg.
Am linken Bildrand die Jagd auf einen L÷wen (S. Abb. 3).

Abb. 3. Vergrößerte Umrißzeichnung der in Bild 2 dargestellten Löwenjagd
Abb. 3. Vergrößerte Umrißzeichnung der in Bild 2 dargestellten Löwenjagd

   Daß Löwen bis in die Nähe der Ansiedlung kamen, bezeugt Peter Kolb an verschiedenen Stellen. Die wichtigste lautet:
   "Es bedüncket mich auch daß hieraus eines Löwen Stärcke sattsam zu erkennen sey, weil er alles, was er tödtet, mit einem einigen Schlag zu Boden Schmeisset, daß es nicht mehr an das Aufstehen gedencket. Wenn nun die Beine so dicht nicht wären, als die Alten gesaget haben, würden gewiß die Röhren in seinen Füssen viel eher in Stücken brechen müssen, als eine Creatur auf einmal vor den Kopff geschlagen, todt zur Erden fallen würde. Wie ich mich denn gar wohl erinnere, daß Anno 1705. in dem Monath December, ein Löwe einen Soldaten, der auf dem Felde vor seines Officiers-Zelte eine Schild-Wacht hielte, mit einem Schlag, welcher allezeit mit einem entsetzlichen Gebrüll vergesellschafftet ist, todt geschlagen, und mit demselben hernach davon gegangen.
   So ist mir auch noch nicht entfallen, daß ein anderer Löwe Anno 1707. einen ziemlich schweren Ochsen auf solche Weise getödtet hat, und noch dazu mit denselben, über eine ziemlich hohe Mauer gesprungen, und davon gegangen ist."
   Es ist nun das Verdienst von Vratis Mazak in den letzten Jahren festgestellt zu haben, in welchen Museen sich noch Kaplöwen befinden. Nach seinen Angaben (Zeitschrift für Säugetierkunde Bd. 29 Heft 1) gibt es auf der ganzen Welt fünf männlich und zwei weibliche Exemplare von erhaltenen Kaplöwen an folgenden Plätzen: British Museum of Natural History, London, Reichsmuseum, Leiden, Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart, Städtisches Museum, Wiesbaden, je ein präpariertes Fell eines erwachsenen Kaplöwen. Außerdem in Paris im Mussée d'Histoire Naturelle ein fast ausgewachsenes Exemplar. Ferner zwei präparierte weibliche in Stuttgart und Wiesbaden. Dazu kommt der Schädel eine erwachsenen Weibchens im Museum and Snakepark in Port Elizabeth/Südafrika.
   Der Leitung des Städtischen Museums in Wiesbaden, Herrn Dir. Dr. Heineck, Herrn Dr. Fill, Herrn Dr. Gross und insbesonders Herrn Dr. Neubaur, möchte ich meinen Dank sagen für das erstmalige Heraussuchen der dokumentarischen Unterlagen und die Hilfe beim Vermessen und Photographieren.


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